Vielleicht summt es im Sommer nur an wenigen Stellen Ihres Gartens, obwohl viele Pflanzen blühen. Entscheidend ist nicht allein die Blütenfülle: Manche Zuchtformen bieten kaum Nektar oder Pollen, und zwischen kurz gemähtem Rasen, versiegelten Flächen und aufgeräumten Beeten fehlen oft Nistplätze und Rückzugsorte. Ein insektenfreundlicher Garten verbindet deshalb Nahrung mit Lebensraum und berücksichtigt verschiedene Jahreszeiten.
Was braucht ein Garten, damit Insekten bleiben?
Eine Blüte allein macht noch keinen geeigneten Lebensraum. Insekten brauchen je nach Art Nektar und Pollen, Futterpflanzen für ihre Larven, Nistmöglichkeiten und Bereiche, in denen sie ungestört überwintern können. So betrachtet ist ein insektenfreundlicher Garten nicht einfach eine bunt bepflanzte Fläche, sondern ein Mosaik aus verschiedenen Pflanzen und Strukturen.
Die Größe muss nicht beeindrucken. Ein Beet, eine blühende Ecke im Rasen, ein Kräutertopf oder ein Stück ungestörter Boden kann Teil dieses Mosaiks sein. Hilfreich ist, die vorhandenen Flächen durchzugehen: Wo blüht es früh im Jahr, wo im Hochsommer und noch im Herbst? Wo können Stängel stehen bleiben? Gibt es sonnige und schattige Bereiche, offene Erde, Laub oder Totholz? Die Antworten zeigen, was im eigenen Garten fehlt.
Der BUND nennt für Deutschland 17 Millionen Privat- und Kleingärten mit zusammen 930.000 Hektar, entsprechend 2,6 Prozent der Landesfläche; rund eine Million Kleingärten umfassen demnach 40.000 Hektar. Diese Zahlen beschreiben das Potenzial vieler verteilter Gärten, nicht die Wirkung eines einzelnen Gartens. Praktische Hinweise zu weiteren Tieren, die von naturnahen Strukturen profitieren, finden Sie unter Tiere im Garten besser unterstützen.
Welche Pflanzen passen zu Standort und Jahreszeit?
Prüfen Sie zuerst Licht, Boden und Feuchtigkeit, statt Pflanzen allein nach dem Foto auf dem Etikett auszuwählen. Eine Staude für sonnige, trockene Böden wird an einem dauerhaft feuchten Schattenplatz kaum gut gedeihen. Heimische Pflanzen sind oft eine sinnvolle Wahl, weil heimische Insekten an die örtliche Pflanzenwelt angepasst sind. Das heißt nicht, dass jede heimische Art überall passt: Entscheidend bleibt der konkrete Standort.
Achten Sie beim Kauf auf ungefüllte Blüten. Bei gefüllten Blüten sind zusätzliche Blütenblätter vorhanden, die Nektar und Pollen für Insekten schwer zugänglich machen können. Ergänzen Sie Stauden durch Kräuter, Gräser, Sträucher oder einen geeigneten Baum, wenn Platz vorhanden ist. Gehölze bringen eine andere Struktur in den Garten als niedrige Blumen und können Nahrung, Deckung und Nistmöglichkeiten bieten.
Planen Sie die Blüte über das Gartenjahr verteilt, statt nur eine kurze, besonders auffällige Blühphase anzustreben. Früh blühende Pflanzen können Insekten nach dem Winter Nahrung bieten; spätere Arten verlängern das Angebot bis in den Herbst. Lassen Sie auch Küchenkräuter wie Thymian oder Salbei zur Blüte kommen, wenn Sie nicht gerade ernten müssen. Für Balkon und kleine Höfe gilt derselbe Grundgedanke: lieber mehrere passende Pflanzen mit unterschiedlichen Blühzeiten als nur eine Sorte, die gleichzeitig verblüht.
Auch Raupen benötigen Nahrung. Wer ausschließlich Pflanzen setzt, die erwachsenen Faltern Nektar liefern, lässt diesen Teil des Lebenszyklus außer Acht. Der BUND beschreibt die Salweide als Futterpflanze für fast 200 Raupenarten, den Faulbaum als Raupenfutter für rund 30 Schmetterlingsarten und Oregano als Anziehungspunkt für über 50 Schmetterlingsarten im Hochsommer. Diese Angaben beziehen sich auf die genannten Pflanzen und sind keine Garantie, dass die Artenzahl an jedem Standort gleich ausfällt. Die Auswahl sollte deshalb sowohl Blüten als auch Futterpflanzen für Larven berücksichtigen; mehr zu passenden Gehölzen und Stauden erläutert der BUND unter Pflanzen für Tiere und Insekten im Garten.
Welche Gestaltungsmöglichkeiten gibt es?
Nicht jede Maßnahme passt auf jedes Grundstück. In einem kleinen Garten kann ein Kräuterbeet mehr bewirken als ein großer, neu angelegter Bereich. Wo Platz ist, lässt sich ein Teil des Rasens in eine blühende Wiese umwandeln. Eine Hecke aus unterschiedlichen geeigneten Gehölzen bietet mehr Vielfalt als eine einheitliche, regelmäßig geschnittene Wand. In schattigen Ecken können Laub und Totholz liegen bleiben, während offene, sonnige Bodenstellen anderen Arten zugutekommen.
Ein Insektenhotel ist keine Pflichtausstattung. Viele Wildbienenarten nisten im Boden; dafür können kleine offene Bodenstellen wichtiger sein als ein gekauftes Häuschen. Selbst gebaute Nisthilfen sollten sauber verarbeitet sein und geeignete Nistgänge anbieten, damit sich Tiere nicht an ausgefransten Kanten verletzen. Wenn Sie keine passende Stelle oder Zeit für eine Nisthilfe haben, beginnen Sie besser mit Blüten und ungestörten Gartenbereichen.
Wasser kann besonders bei trockenem Wetter eine Ergänzung sein. Stellen Sie eine flache Schale auf und legen Sie Steine oder Holz hinein, sodass Insekten landen und wieder herauskommen können. Wechseln und kontrollieren Sie das Wasser regelmäßig. Eine tiefe Schale ohne Ausstiegshilfe ist ungeeignet. Wasserstellen ersetzen keine Pflanzen oder Nistplätze, sondern ergänzen sie.
Wie gehen Sie Schritt für Schritt vor?
- Beobachten Sie eine Weile, welche Bereiche sonnig, schattig, trocken oder feucht sind und wann im Garten etwas blüht. Notieren Sie Lücken im Jahresverlauf.
- Entscheiden Sie sich für eine überschaubare Fläche, die Sie verändern können: etwa einen Beetstreifen, einen Balkonkasten oder einen Abschnitt des Rasens.
- Wählen Sie Pflanzen nach Standort und Blühzeit. Bevorzugen Sie heimische Arten und ungefüllte Blüten; mischen Sie, wenn möglich, Pflanzen für verschiedene Jahreszeiten.
- Schaffen Sie ergänzende Strukturen: Lassen Sie an passenden Stellen Laub, markhaltige Stängel oder Totholz liegen und erhalten Sie offene Bodenbereiche, wenn sie zum Garten passen.
- Reduzieren Sie häufiges Mähen und verzichten Sie auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel. Prüfen Sie bei Problemen zunächst, ob die Pflanzen am richtigen Standort wachsen und ob sich der Schaden tatsächlich ausbreitet.
Beim Mähen können Sie Teilflächen stehen lassen, damit dort Blüten und Rückzugsbereiche erhalten bleiben. Mähen Sie nicht alles gleichzeitig, wenn sich das mit der Nutzung des Gartens vereinbaren lässt. Ein vollständig verwilderter Garten ist dafür nicht erforderlich: Auch gepflegte Wege, Gemüsebeete und Sitzplätze lassen sich mit ungemähten Inseln oder blühenden Rändern verbinden.
Verzichten Sie auf Gift nicht nur dort, wo gerade Bienen zu sehen sind. Der BUND führt für den Einsatz von Pestiziden im Hausgarten Alternativen wie mechanisches Entfernen, passende Standortwahl und Förderung von Nützlingen an. Befallene Pflanzen können Sie zunächst beobachten und einzelne Schädlinge absammeln; nicht jeder Blattlausbefall bedeutet, dass die Pflanze dauerhaft Schaden nimmt. Bei Problemen im Gemüsebeet helfen zudem robuste, standortgerechte Pflanzen und eine gute Bodenpflege.
Woran erkennen Sie, ob die Veränderungen helfen?
Bewerten Sie den Garten nicht allein danach, ob sofort besonders viele Insekten zu sehen sind. Beobachten Sie regelmäßig, welche Pflanzen blühen, ob über längere Zeit Nahrung vorhanden ist und ob die neu geschaffenen Stellen bestehen bleiben. Notieren Sie, wann die ersten Blüten erscheinen und wann die letzten verblühen. So entdecken Sie Lücken, die sich in der nächsten Saison gezielt schließen lassen.
Achten Sie auch auf die Pflege: Bleiben Stängel bis in die nächste Saison stehen? Wird der Rasenabschnitt seltener gemäht? Sind Wasserstellen sauber und sicher erreichbar? Entwickeln sich die Pflanzen am gewählten Standort gut? Falls nicht, passen Sie die Auswahl oder den Standort an, statt immer neue Pflanzen nachzusetzen. Veränderungen brauchen Zeit, und das Ergebnis hängt von Jahreszeit, Witterung und Umgebung ab.
Im Herbst muss nicht alles sofort abgeräumt werden. Laub und abgestorbene Stängel können als Deckung und Überwinterungsort dienen; räumen Sie Wege und Flächen frei, die Sie tatsächlich nutzen. Prüfen Sie Laubhaufen vorsichtig, bevor Sie sie umsetzen. Wenn Sie bei einem Igel unsicher sind, ob er Hilfe braucht, ist ein Igel im Herbst richtig einzuschätzen sinnvoller, als das Tier vorschnell aufzunehmen. Ein Garten, der Nahrung, Nistplätze und ruhige Bereiche miteinander verbindet, lässt sich zugleich praktisch nutzen und schrittweise naturnäher gestalten.
Häufige Fragen
Welche Blumen sind besonders insektenfreundlich?
Wählen Sie möglichst heimische Arten, die zu Standort und Boden passen, und achten Sie auf ungefüllte Blüten. Wildstauden, Kräuter und Gehölze können unterschiedliche Insekten anziehen; eine Mischung mit verschiedenen Blütezeiten verlängert das Nahrungsangebot. Eine pauschale Liste für jeden Garten gibt es nicht: Sonne, Schatten, Feuchtigkeit und Platz entscheiden mit.
Hilft ein Insektenhotel allen Wildbienen?
Nein. Ein Teil der Wildbienen nutzt Nisthilfen, viele Arten nisten jedoch im Boden. Lassen Sie daher auch geeignete offene, sonnige Bodenstellen bestehen und bieten Sie Blüten in der Nähe an. Eine Nisthilfe ist nur ein möglicher Baustein; sie ersetzt weder Nahrung noch vielfältige Lebensräume.
Was kann ich auf einem kleinen Balkon tun?
Auch Blumenkästen und Töpfe können Nahrung bieten. Pflanzen Sie möglichst unterschiedliche geeignete Arten, lassen Sie Kräuter blühen und bevorzugen Sie ungefüllte Blüten. Achten Sie auf die Bedingungen am Balkon, etwa Sonne, Wind und Platz für ausreichend Erde. Eine flache Wasserstelle mit Steinen als Landeplätze kann ergänzen; halten Sie sie sauber und kontrollieren Sie das Wasser regelmäßig.
