Sie entdecken einen Igel im Laub, am Weg oder tagsüber auf der Terrasse und fragen sich, ob Sie eingreifen müssen. Gerade im Herbst sind Igel bei der Nahrungssuche häufiger zu sehen; ein Tier, das in der Dämmerung zügig unterwegs ist, braucht deshalb nicht automatisch menschliche Hilfe. Anders sieht es bei Verletzungen, deutlicher Schwäche oder einem ungeschützten Jungtier aus.
Prüfen Sie zuerst aus etwas Abstand, wann und wo Sie den Igel gefunden haben und wie er sich bewegt. Die folgenden Hinweise helfen Ihnen, eine ruhige Beobachtung von einem Notfall zu unterscheiden, das Tier nicht unnötig aufzunehmen und bei Bedarf rasch eine Igelstation oder eine igelkundige Tierarztpraxis einzuschalten.
Ist ein Igel im Herbst draußen automatisch in Not?
Nein. Ein Igel, der in der Dämmerung oder nachts durch den Garten läuft, kann ganz normal nach Nahrung suchen und sich auf den Winter vorbereiten. Auch ein kleiner wirkendes Tier ist nicht allein wegen seiner Größe hilfsbedürftig. Lassen Sie den Igel zunächst in Ruhe und beobachten Sie aus Abstand, ob er zielgerichtet läuft, sich bei einer Störung zurückzieht und eine Deckung erreichen kann.
Im Herbst kann ein Tier auch tagsüber sichtbar werden, wenn sein Nest gestört wurde. Arbeiten im Garten, ein aufgeschichteter oder abgetragener Laubhaufen und ein freilaufender Hund können einen Igel aufscheuchen. Laut Pro Igel können solche Störungen erklären, warum ein ansonsten gesundes Tier am Tag einen neuen Unterschlupf sucht. Ein ungewöhnlicher Zeitpunkt ist also ein ernst zu nehmender Hinweis, aber nicht für sich allein der Beweis für eine Erkrankung.
Ein naturnaher Garten mit Laub- und Reisighaufen, Hecken und zugänglichen Wegen bietet Verstecke und Rückzugsorte. Wenn Sie Ihren Garten generell auf Tiere ausrichten möchten, finden Sie weitere Anregungen unter Gartentiere im Garten fördern. Räumen Sie ein mögliches Nest nicht weiter um, wenn Sie darin oder daneben einen Igel vermuten.
Welche Anzeichen sprechen für dringenden Hilfebedarf?
Schauen Sie auf mehrere Hinweise statt auf ein einzelnes Merkmal. Sichtbare Wunden, ein torkelnder Gang, starke Teilnahmslosigkeit oder die Unfähigkeit, sich bei Annäherung einzurollen, sind Gründe, fachkundige Hilfe zu holen. Auch ein deutlich abgemagertes Tier mit eingefallenen Augen oder einer sichtbaren Einbuchtung im Nacken kann krank oder geschwächt sein. Fliegeneier oder Maden am Körper sind ebenfalls ein dringender Anlass, eine Igelstation oder eine Tierarztpraxis zu kontaktieren.
Besonders verletzlich sind sehr kleine Jungtiere, die außerhalb eines Nestes liegen und noch geschlossene Augen haben. Nähern Sie sich vorsichtig und prüfen Sie, ob ein Nest in der Nähe erkennbar ist. Nehmen Sie nicht an, dass ein Jungtier verwaist ist, nur weil gerade kein erwachsener Igel zu sehen ist. Ist das Tier jedoch offen und ungeschützt abgelegt, kalt, verletzt oder offensichtlich schwach, bitten Sie sofort eine erfahrene Anlaufstelle um konkrete Anweisungen.
Auch die Jahreszeit und die Witterung gehören zur Einschätzung. Pro Igel nennt für Jungigel im fortgeschrittenen Herbst, etwa im November, ein Gewicht unter 500 Gramm als kritischen Hinweis; zugleich beschreibt der Verein, dass diese Tiere fast immer auch krank sind. Das ist keine allgemeingültige Grenze für jeden Igel und kein Grund, ein Tier allein anhand der Waage aufzunehmen. Alter, Gesundheitszustand, Körperbau und Fundumstände zählen mit.
Die NABU-Naturschutzstation Münsterland nennt als grobe Orientierung für Jungigel vor dem Winterschlaf etwa 600 bis 700 Gramm und für erwachsene Tiere, abhängig von Alter und Größe, etwa 1.000 bis 1.400 Gramm. Diese Angaben unterscheiden sich nach Altersgruppe und Einordnung von der genannten November-Faustregel. Das Gewicht allein entscheidet daher nicht über Hilfsbedürftigkeit. Weitere Warnzeichen und die Fundumstände müssen mit betrachtet werden.
Wann lassen Sie den Igel draußen?
Wenn der Igel in der Dämmerung oder nachts aktiv ist, unverletzt und wach wirkt und sich normal bewegt, lassen Sie ihn am Fundort. Fangen Sie ihn nicht vorsorglich ein und bringen Sie ihn nicht an einen anderen Ort. So bleibt er in seinem vertrauten Umfeld und kann selbst einen geschützten Platz aufsuchen.
Ist das Tier am Tag unterwegs, aber offenbar gerade durch Gartenarbeiten oder einen Hund aufgeschreckt worden, gehen Sie auf Abstand und geben Sie ihm Zeit, Deckung zu finden. Wenn Sie Hinweise auf ein Nest haben, halten Sie Menschen und Haustiere fern und beenden Sie die Störung. Bleibt der Igel offen liegen oder zeigt er weitere Auffälligkeiten, lassen Sie die Lage von einer Igelstation beurteilen, statt die Ursache selbst festzulegen.
Für den Garten heißt das: Laub nicht überall sofort entfernen, Reisig- und Laubhaufen nicht unbesehen bewegen und mögliche Gefahrenstellen im Blick behalten. Ein vielfältiger Herbstgarten bietet auch Vögeln Nahrung und Deckung; Hinweise, wie ein Garten Rotkehlchen im Herbst entgegenkommen kann, stehen unter Rotkehlchen im Herbst unterstützen. Bei Gartenarbeiten sollten Sie jedoch zuerst prüfen, ob sich Tiere in einem Haufen oder dichten Bewuchs verstecken.
Was tun, wenn der Igel verletzt oder geschwächt wirkt?
- Halten Sie Kinder und Haustiere fern und vermeiden Sie unnötiges Anfassen. Beobachten Sie aus kurzer, ruhiger Entfernung, ob der Igel atmet und wie er sich bewegt.
- Rufen Sie eine örtliche Igelstation oder eine igelkundige Tierarztpraxis an. Beschreiben Sie Fundort, Tageszeit, Wetter, Größe, sichtbare Verletzungen und Verhalten. Fragen Sie, ob und wie das Tier gesichert werden soll.
- Wenn die Fachstelle dazu rät oder eine akute Gefahr besteht, nehmen Sie den Igel vorsichtig mit Handschuhen auf und setzen Sie ihn in einen stabilen, gut belüfteten Karton. Die NABU-Naturschutzstation empfiehlt dafür einen Karton mit 45 bis 50 Zentimeter hohen Seitenwänden, damit das Tier nicht so leicht herausklettern kann. Legen Sie Zeitungspapier hinein und halten Sie den Karton ruhig und sicher.
- Notieren Sie den genauen Fundort und die Uhrzeit. Geben Sie diese Angaben an die Fachstelle weiter; sie helfen bei der Einschätzung und einer möglichen Rückkehr an den Fundort.
- Folgen Sie den Anweisungen der Fachleute. Behandeln Sie den Igel nicht selbst und geben Sie keine Medikamente, Mittel gegen Parasiten oder Hausmittel. Eine Behandlung kann je nach Zustand gefährlich sein und gehört in fachkundige Hände.
Ist der Igel deutlich unterkühlt, schildern Sie das am Telefon. Pro Igel nennt eine Körpertemperatur von etwa 36 Grad Celsius als Orientierung für die normale Temperatur. Für Laien ist das kein Anlass, selbst eine Untersuchung oder Behandlung vorzunehmen: Fragen Sie die Anlaufstelle, welche sichere Erstmaßnahme in der konkreten Situation passt, während Sie den Transport vorbereiten.
Was sollten Sie vermeiden?
Nehmen Sie einen gesunden Igel nicht mit nach Hause, nur weil Herbst ist oder Sie sich wegen einer vermeintlich zu niedrigen Zahl auf der Waage sorgen. Die NABU-Naturschutzstation weist darauf hin, dass Igel grundsätzlich draußen bleiben sollen und nur bei tatsächlicher Hilfsbedürftigkeit menschliche Hilfe brauchen. Eine unnötige Aufnahme kann das Tier belasten und erschwert die Entscheidung, wann es wieder an seinen Lebensraum zurückkehren kann.
Vermeiden Sie außerdem Milch, eigenständige Fütterungsversuche, Bäder, Salben und Floh- oder Wurmmittel. Verabreichen Sie nichts, bevor Sie mit einer fachkundigen Stelle gesprochen haben. Auch sichtbare Parasiten sind kein Grund, eigenständig ein Präparat aufzutragen oder zu dosieren: Beschreiben Sie, was Sie sehen, und lassen Sie sich beraten.
Halten Sie den Fundort fest, statt das Tier an einen vermeintlich besseren Platz zu bringen. Ein Igel, der nicht hilfsbedürftig ist, sollte in seinem Gebiet bleiben. Wenn Sie sich bei der Einschätzung unsicher sind, ist ein kurzer Anruf bei einer Igelstation sinnvoller als eine vorsorgliche Aufnahme. Bei einer akuten Verletzung oder deutlicher Schwäche warten Sie nicht ab, sondern holen fachkundige Hilfe.
Häufige Fragen
Darf ich einen Igel einfach mit nach Hause nehmen?
Nein, nicht allein deshalb, weil Sie ihn im Herbst sehen. Ein unverletzter, munterer Igel, der in der Dämmerung oder nachts unterwegs ist, sollte am Fundort bleiben. Nehmen Sie ein Tier nur dann vorübergehend auf, wenn es offensichtlich hilfsbedürftig ist, eine akute Gefahr besteht oder eine Igelstation beziehungsweise eine igelkundige Tierarztpraxis Sie dazu anweist.
Was mache ich, wenn ich ein Igelnest entdecke?
Stören Sie das Nest nicht, halten Sie Hunde und andere Haustiere fern und gehen Sie auf Abstand. Ein am Tag sichtbarer Igel kann durch Arbeiten oder ein Tier aufgeschreckt worden sein. Sind Jungtiere ungeschützt, verletzt oder auffällig schwach, rufen Sie eine Igelstation an und beschreiben Sie die Situation, bevor Sie das Nest oder die Tiere bewegen.
Wen kontaktiere ich, wenn ich keine Igelstation kenne?
Suchen Sie nach einer örtlichen Igelhilfe oder einer Tierarztpraxis mit Erfahrung in der Behandlung von Igeln. Schildern Sie am Telefon Fundort, Tageszeit, Wetter und beobachtete Anzeichen. Bei schweren Verletzungen oder einem akuten Notfall kontaktieren Sie eine Tierarztpraxis direkt. Lassen Sie sich erklären, wie Sie das Tier bis zur Übergabe sicher unterbringen.
